logo
  • Die Hirnnerven VIII bis XII

    Die unteren fünf Hirnnerven sind

    • der Nervus vestibulocochlearis/ Gleichgewichts- und Hörnerv/ (achter Hirnnerv oder N. VIII)
    • der Nervus glossopharyngeus (neunter Hirnnerv oder N. IX), zuständig für Geschmack, Schlucken und Gefühl der Zunge und des Rachens
    • der Nervus vagus (zehnter Hirnnerv oder N. X), zuständig für autonome Funktionen der Eingeweide einschließlich des Herzens
    • der Nervus accessorius (elfter Hirnnerv oder N. XI) für bestimmte Muskeln für Kopfbewegungen und
    • der Nervus hypoglossus (zwölfter Hirnnerv oder N.XII) für die Versorgung der Zungenmuskeln.

    Symptomatik und Erscheinungsbilder in der MR-Neurographie

    Abbildung 1
    Abbildung 1

    Die unteren Hirnnerven können durch MRT nach ihrem Austritt aus dem Hirn einzeln dargestellt werden. Dabei können krankhafte Prozesse wie Tumoren, Entzündungen, Engstellen, anatomische Variationen und Durchtrennungen der Nerven diagnostiziert werden. Häufigere Tumoren der unteren Hirnnerven sind Schwannome, die von den die Nervenfasern umhüllenden Zellen ausgehen. Besonders bekannt ist das Vestibularisschwannom (historischer aber weiterhin weit verbreiteter Name: Akustikusneurinom), in der Abbildung 1 mit A und B dargestellt (große Pfeile). A und B zeigen zwei benachbarte horizontale (axiale) Schnitte durch den Kopf.

    Während das Vestibularischwannom im inneren Gehörgang rechts dargestellt ist, zeigt sich als Nebenbefund ein Trigeminusschwannom, das einen höher gelegenen Hirnnerv, den Nervus trigeminus (fünfter Hirnnerv oder N. V) betrifft, der die Gesichtshaut sensibel und die Kaumuskulatur motorisch versorgt (kleine Pfeile in A und B).

    Durch den eng benachbarten Verlauf der Hirnnerven IX, X und XI mit der Vena jugularis interna (Innere Drosselvene) aus dem Schädel in den Hals können die Nerven bei Tumoren in dieser Region, z.B. bei Paragangliomen (Glomustumore), Meningeomen oder wiederum Schwannomen komprimiert werden. Bei einer Lähmung aller drei Nerven spricht man vom Vernet-Syndrom.

    Abbildung 2
    Abbildung 2

    Ist ein Vernet-Syndrom zusätzlich mit einer Hypoglossuslähmung verbunden, deutet das auf eine Schädigung im Bereich des benachbarten Hypoglossuskanals hin. Man spricht bei der kombinierten Schädigung aller vier Nerven vom Collet-Sicard-Syndrom. Die Abbildung 2 zeigt ein interessantes Beispiel einer Patientin mit Collet-Sicard-Syndrom. Der große Pfeil in A zeigt die Hirnnerven IX bis XII, die über die linke Wirbelarterie (kleiner Pfeil in A und B) drapiert sind. Während in A eine spezielle MRT-Technik (CISS) zur genauen Nervendarstellung benutzt wird, können durch Gabe von Kontrastmittel über die Armvene die Arterien und Venen besonders gut  dargestellt werden. Die kombinierte Betrachtung beider MR-Sequenzen erlaubt eine sehr gute Darstellung der krankhaft erweiterten und verlängerten Wirbelarterie, die die darüber drapierten Nerven durch Dehnungseinwirkung schädigt.

    Meningeome gehen von der Hirnhaut aus und können je nach ihrer Auftrittsstelle auch andere Nerven komprimieren. Glomustumore entstehen aus speziellen hormonproduzierenden Zellen des autonomen Nervensystems. Schließlich können speziell die Hirnnerven X und XII durch enge Nachbarschaft zur inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) bei einer krankhaften Erweiterung der Arterie, z.B. durch eine Aussackung (Aneurysma) oder einen Wandeinriss (Dissektion), geschädigt werden.

    Abbildung 3
    Abbildung 3

    Die Abbildung 3 zeigt eine solche Dissektion, die hier die rechte innere Halsschlagader betrifft (großer Pfeil in A). Das durch Einblutung in die Gefäßwand geschädigte, aber sonst noch von Blut durchströmte, Gefäß übt schädigenden Druck auf den Hypoglossusnerv aus, was bereits zu einem Muskelschwund der rechten Zungenhälfte (Pfeile in B) geführt hat. C und D zeigen die enge Nachbarschaft der Dissektion zum Hypoglossuskanal (der Austrittsstelle des Hypoglossusnerven aus dem Schädel, Pfeile).

    MRT-Indikationen und Nutzen für die weitere Diagnostik und Therapie

    Wie an diesen Beispielen deutlich wird, verfügt die neuromuskuläre MRT über die Fähigkeit, krankhafte Prozesse genau zu lokalisieren und sowohl den Grund der Schädigung, als auch das Ausmaß der Nervenschädigung darzustellen. Desweiteren können durch Muskelveränderungen indirekt Nervenschädigungen nachgewiesen werden. Damit ist die MRT von hohem Nutzen, um den Ursprung einer vorliegenden Lähmung, eines Schmerzsyndrom oder einer Gefühlsstörungen, aber auch von Gleichgewichts- oder Schluckstörungen zu lokalisieren und den jeweiligen Schädigungsmechanismus nachzuvollziehen. Durch Klärung der Ursache, des Ausmaßes der Schädigung sowie des genauen Schädigungsortes kann die Planung einer gezielten und effektiven Therapie wesentlich unterstützt werden.